Wissenschaftliche Studien zum Thema Alkohol und Sport gibt es viele. So wissen wir z.B., dass Alkohol die Regeneration nach dem Krafttraining verlangsamt. Nach einem intensiven Widerstandstraining lassen sowohl Kraft, Ausdauer und Geschwindigkeit nach, und Alkohol verstärkt diesen Effekt.

In Experimenten wurde bei Testpersonen, die Alkohol getrunken hatten, 36 Stunden nach dem Training ein bis zu dreifach höheres Nachlassen der isometrischen Muskelkraft und ein doppelt so hoher Rückgang der exzentrischen Muskelkraft gemessen als bei der „trockenen“ Vergleichsgruppe. Dieser Effekt trat nach einer Menge von 100 g Ethanol auf. Das entspricht in etwa drei Halbliterflaschen Bier mit 6% Alkoholgehalt oder 250 ml Wodka mit 40%.

Andererseits haben Forscher der University of North Texas entdeckt, dass Alkoholkonsum nach dem Training den Testosteronspiegel anheben kann. Bevor Du aber gleich zum Bier greifst, bitte erst weiterlesen! Natürlich trinken auch Sportler Alkohol, und das manchmal nicht wenig. Doch das sollte uns wundern, da der Einfluss dieser legalen Droge auf unseren Organismus dazu führt, dass die Effektivität unseres Trainings deutlich nachlässt.

Wie wirkt sich Alkohol auf unsere sportliche Leistungsfähigkeit aus?

Vor allem kann Alkohol die Leydig-Zwischenzellen im Bindegewebe des Hodens Schädigen und damit die Ausschüttung von Testosteron beeinträchtigen. Denn diese Zellen sind sozusagen die „Testosteron-Fabrik“ des Mannes! Schon in den 1970ern wurde beobachtet, dass Alkohol ein plötzliches Absinken der Testosteronwerte verursachen kann (J Pharmacol Exp Ther, 1977), und die Ursachen hierfür sind seit den 1980ern bekannt (Endocrinology, 1980).

Zweitens verursacht Alkohol (durch die Beeinflussung der verantwortlichen Enzyme) eine erhöhte Umsetzung von Testosteron zu Östrogenen. Dies hat eine erhöhte Fetteinlagerung in typisch weiblichen Problemzonen zur Folge, und so wirkt Alkohol verweiblichend auf den männlichen Körper. Darüber hinaus wirkt sich Alkohol negativ auf die Androgenrezeptoren aus. Der amerikanische Forscher Chung ging 1990 so weit, Alkohol als eine „chemische Form der Kastration“ zu beschreiben (Toxicology, 1990).

Und zum dritten erhöht Alkohol die Menge an Sexualhormon-bindendem Globulin (SHBG) im Blut. Dieses hemmt die Wirkung von Testosteron, was in Hinsicht auf unsere sportlichen Leistungen zu geringerer Muskelkraft, geringerer Ausdauer, geringerem Muskelwachstum, sprich zu einer allgemein geringeren Trainingseffektivität führt.

Und was hat es dann mit dem angeblichen Anstieg des Testosteronspiegels durch Alkohol auf sich?

Im oben erwähnten Experiment nahmen 8 Männer im Alter von 21-34 Jahren teil – von mittlerer Körpergröße 1,77 m (± 7 cm) und durchschnittlichem Körpergewicht von 87,7 kg (± 15,1 kg) – die alle erfahrene Kraftsportler waren. Sie absolvierten ein Training mit 6 Sätzen Langhantel-Kniebeugen mit ihrem jeweiligen 10-RM-Gewicht (einem solchen Gewicht also, mit dem sie in der Lage wären, 10 Kniebeugen auszuführen).

10 Minuten nach dem letzten Trainings-Satz bekamen sie:

  • Placebo (0% Alkohol)
  • Alkohol: 1,09 g Ethanol pro Kilogramm Körpergewicht (bei 100 kg Körpergewicht also 109 g Alkohol, sprich etwas mehr als 250 ml Wodka mit 40%)

Beide Versuchsreihen wurden im Abstand einer Woche durchgeführt. Sowohl vor als auch nach dem Training wurden Blutproben genommen, und dann erneut jeweils alle 20 Minuten über 300 Minuten nach dem Training. Diese Blutproben wurden in drei Vergleichsgruppen geteilt – 20-40 Minuten nach dem Training, 60-120 Minuten und 140-300 Minuten danach – und auf Gesamt-Testosteron, freies Testosterons, SHBG (Sexualhormon-bindendes Globulin), Cortisol und das Östrogen Estradiol untersucht.

Und die Ergebnisse?

Die Versuchsteilnehmer, die Alkohol getrunken hatten, hatten höhere Werte sowohl für Gesamt-Testosteron als auch freies Testosteron als die Vergleichsgruppe.

  • Alkohol: Gesamt-Testosteron: 22,5 ± 12,5 nmol/l; freies Testosteron: 40,5 ± 7,6 nmol/l
  • Placebo: Gesamt-Testosteron: 13,9 ± 6,8 nmol/l; freies Testosteron: 22,7 ± 10,0 nmol/l

Aber stopp! Bier- oder Wodka-Flasche erst nochmal zur Seite stellen und den Artikel ganz zu Ende lesen! Denn die Testosteronwerte allein sagen hier so gut wie gar nichts aus. Die Forscher gehen davon aus, dass Alkohol Androgenrezeptoren ZERSTÖRT, die das Testosteron in den Muskelzellen binden. Bei diesen Rezeptoren handelt es sich um ein spezielles Eiweiß. Sobald das Testosteron an einen solchen Rezeptor andockt, beginnt eine Reaktion, die u.a. die Körperzelle zur vermehrten Synthese bestimmter Eiweiße anregt. Um es kurz zu fassen: Durch den Alkoholkonsum und die daraus folgende Zerstörung der Androgenrezeptoren können viele der männlichen Geschlechtshormone nirgendwo andocken und kreisen weiter in unserer Blutbahn. Daher zeigen Blutuntersuchungen hohe Testosteron-Werte auf. Aber was hilft uns das, wenn dieses Testosteron letztendlich verloren geht! Und dieser Effekt wird noch dadurch verstärkt, dass der Alkohol auch die Estradiol-Werte erhöht, und dieses Östrogen ebenfalls mit den Androgenrezeptoren interagiert – was die für Östrogene typischen Effekte nach sich zieht.

Fazit: Wenn Dir an Deinen sportlichen Leistungen gelegen ist, trinke nach dem Training keinen Alkohol! Und auch an trainingsfreien Tagen, lohnt es sich, den Alkoholkonsum in Grenzen zu halten.