15 Jahre auf Steroiden, wie verträgt das der Körper?

Anabole Steroide gehören für viele Sportler einfach dazu. Doch während eine kurzfristige Anwendung meist kaum Nebenwirkungen zeigt, kann die langjährige Einnahme von Steroiden zu Gynäkomastie, Hodenatrophie, Störung der HPT-Achse, Herzerkrankungen oder Schädigungen anderer Organe führen.

Auch Todesfälle durch anabole Steroide gibt es – das jedoch extrem selten, wenn man bedenkt dass 30-60% aller Hobbysportler und fast alle Profis sie nehmen. Die wahre Todesursache ist in diesen Fällen eigentlich Dummheit und der Missbrauch mehrerer Medikamente gleichzeitig. So hatten die vermeintlichen Opfer von Steroiden u.a. auch Alkohol, Psychopharmaka, Beruhigungsmittel und verschiedenerlei Drogen im Blut. Bislang gab es jedoch nur wenige Untersuchungen zu den gesundheitlichen Folgen eines langanhaltenden Gebrauchs von Steroiden. Hier wollen wir die Ergebnisse einer Studie vom September 2014 vorstellen.

Die Teilnehmer des Experiments waren durchweg Männer, die über einen Zeitraum von 5 bis 15 Jahren anabole Steroide genommen hatten. Alle mussten detaillierte Angaben machen zu Art und Dosis der von ihnen eingenommenen Steroide und sich einer genauen Messung von Muskelkraft und Muskelzusammensetzung sowie auch einer Muskelbiopsie unterziehen, bei der eine Probe des Vastus lateralis (eines der vorderen Muskeln des Oberschenkels) entnommen wurde. Im Vergleich zu Sportlern, die ohne pharmakologische Hilfe trainieren, hatten die „gedopten“ Athleten eine deutlich größere Muskelmasse aufzuweisen, mehr Blutkapillaren in den Muskelfasern und eine größere Menge an Zellkernen (ein bekannter Effekt von anabolen Steroiden, der selbst Jahre nach Absetzen der Präparate noch nachzuweisen ist). Der Gebrauch von Steroiden erhöht dauerhaft die Zahl der Zellkerne in den Muskelfasern. Im Vergleich von Sportlern mit und ohne Steroide hatten erstere nicht nur mehr Zellkerne pro Muskelfaser, sondern auch mehr Muskelfasern der Typen I, IIa und IIx. Dieser Unterschied bleibt selbst nach einer Beendigung des regelmäßigen Trainings bestehen (was der sogenannte Erinnerungseffekt der Muskulatur erklären könnte). So wurde z.B. bei Kugelstoßerinnen beobachtet, dass auch nach Absetzung des Anabolikums Oral-Turinabol die Zunahme an Muskelkraft um durchschnittlich 1 m bessere Ergebnisse garantierte. Um diesen Effekt zu erzielen, musste das Medikament über einen Zeitraum von 4 Jahren eingenommen werden.

Was hatten die Versuchsteilnehmer in den letzten 5 Jahre genommen?

  • Testosteron 1,25 g pro Woche plus Metandienon 8 mg täglich, Insulin 10-12 IU täglich und IGF-1
  • Testosteron 2 g pro Woche, Deca-Durabolin 600-800 mg pro Woche, Metandienon 50 mg täglich, Insulin 12 IU täglich, Ephedrin 60 mg täglich
  • Testosteron 1500 mg pro Woche, Deca-Durabolin 800-1600 mg pro Woche, Boldenon 500 mg pro Woche, Ephedrin
  • Testosteron 500 mg pro Woche, Wachstumshormon Somatropin 4-6 IU täglich 6x pro Woche, Deca-Durabolin 600 mg pro Woche
  • Testosteron 500 mg pro Woche, Deca-Durabolin 250 mg pro Woche, Metandienon 175-350 mg pro Woche, Ephedrin 10000 IU
  • Testosteron 500 mg pro Woche, Deca-Durabolin 200 mg pro Woche, Metandienon 200 mg pro Woche
  • Testosteron 250 mg pro Woche, Metandienon 175 mg pro Woche
  • Testosteron 250 mg pro Woche, Deca-Durabolin 200 mg pro Woche, Metandienon 200 mg pro Woche, Oxandrolon 175 mg pro Woche
  • Testosteron 1000 mg pro Woche, Boldenon 1000 mg pro Woche, Metandienon 105 mg pro Woche
  • Testosteron 500 mg pro Woche, Deca-Durabolin 400 g pro Woche, Trenbolon 150 mg pro Woche, Metandienon (150-200 mg pro Woche)

Die Dosierung oszillierte also von symbolischen Mengen von beispielsweise 250 mg Testosteron und 175 mg Metandienon, wie sie für Anfänger typisch sind, bis zu im Profisport üblichen Dosen von bis zu 2 g Testosteron plus 800 mg Durabolin und 350 mg Metandienon.