Einerseits wird das Frühstück als „wichtigste Mahlzeit des Tages“ propagiert, andererseits soll ein Verzicht aufs Frühstück den Stoffwechsel ankurbeln. In diesem Artikel möchte ich einige gängige Meinungen unter die Lupe nehmen sowie zwei interessante Experimente vorstellen, die neues Licht auf das „Frühstücksdilemma“ werfen.

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Ohne Frühstück geht gar nicht?

Die landläufige Meinung, das Frühstück sei „die wichtigste Mahlzeit des Tages“, ist bei näherer Betrachtung schwer zu verteidigen. Nach welchen Kriterien trifft man so eine Entscheidung? Welche objektiven Argumente gibt es dafür, dass das Mittagessen weniger wichtig ist? Und letztendlich wundert es nicht, dass die Wissenschaft diese Frage nie eindeutig geklärt hat. Ein akademischer Diskurs zu diesem Thema wäre wohl reine Kunst um der Kunst willen. Trotzdem mag der „Frühstücks-Kult“ seine Berechtigung haben. Aber manche Argumente, die für ihn ins Feld geführt werden, sind äußerst zweifelhafter Natur.

„Das Frühstück liefert Energie für den ganzen Tag“, heißt es da zum Beispiel. Klingt zunächst mal irgendwie einleuchtend. Vor der Fahrt erst mal volltanken! Trotzdem widerspricht die Behauptung aller Logik. Nahrung liefert uns zwar Energie, wie das Benzin unserem Auto, aber der Energieverbrauch unseres Organismus ist so groß, dass man den Bedarf schwerlich mit einer einzigen Mahlzeit decken kann. Und selbst wenn man gleich am Morgen den gesamten täglichen Kalorienbedarf in sich hinein schlänge, würde das bedeuten, dass alle weiteren Mahlzeiten des Tages völlig überflüssig wären. Was immer wir nach dem Frühstück noch zu uns nähmen, würde von unserem Körper unvermeidlich als Fettreserve eingelagert. Allein an diesem Beispiel wird deutlich, dass es ein äußerst zweifelhaftes Unterfangen ist, eine Art Ranking der Tagesmahlzeiten schaffen zu wollen.

Schwer haltbar ist auch das Argument, dass bei einem Auslassen des Frühstücks unser Körper sofort in eine Art „Energie-Spar-Modus“ schalten würde. Dieser Zustand soll dazu führen, dass wenn wir dann im Laufe des Tages endlich etwas Essen, unser Körper diese Nahrung in einer Art Panikreaktion als Energie- sprich Fettreserven für schwere Zeiten zurücklegen würde. Das ist nun wirklich eine kuriose Theorie. Als würde man behaupten, dass wenn wir unser Novembergehalt nicht ausbezahlt bekämen, wir den Lohn für Dezember gewiss unangetastet auf dem Konto lassen würden. Die Realität sähe natürlich anders aus: Im November würden wir für laufende Kosten unser Erspartes anbrechen. Und selbst wenn wir dabei unser Konto vollständig plündern und gerne neue Rücklagen bilden würden, kämen wir im Dezember nicht in Versuchung, zu diesem Zweck Rechnungen unbezahlt zu lassen und auch kein Geld mehr für Lebensmittel auszugeben. Und genauso können wir davon ausgehen, dass auch unser Organismus mit Einkünften und Ersparnissen halbwegs rational umgeht.

Ähnliche Theorien gibt es zu Hauf – meist ohne oder mit eher schwacher Beweisführung. Das heißt aber nicht, dass es nicht auch rationale Argumente für das Frühstück gibt. Die gibt es durchaus, und durchaus interessante und überzeugende noch dazu. Trotzdem sollte man auf dem Boden der Tatsachen bleiben und nicht in Verallgemeinerungen verfallen, die die Diskussion ins Lächerliche ziehen. Denn auch die „Gegner“ des Frühstücks können problemlos mit ähnlich überzeugenden Binsenweisheiten auffahren.

Statt also Gerüchten nachzugehen, wollen wir hier ernsthafte Erwägungen anstellen, welche Auswirkungen das Essen bzw. Weglassen des Frühstücks auf unseren Körper hat – wie z.B. auf Appetitzügelung, Energieverbrauch, körperliche Leistungsfähigkeit oder Insulinempfindlichkeit.