Gluten – Gift des 21. Jahrhunderts?

Auf die Frage nach dem gefährlichsten Nahrungsinhaltsstoff käme heutzutage sicher oft die Antwort: „Gluten“. In den Medien wird viel vor ihm gewarnt. Gluten wird verantwortlich gemacht für Krankheiten und Übergewicht. Sollten wir also ganz auf glutenhaltige Produkte verzichten?

Gluten und sein schlechter Ruf

Gluten wird heute immer häufiger als Gift bezeichnet, das allerlei, oft überraschende Gesundheitsprobleme auslösen kann. Oft von Medienberühmtheiten ohne jegliche Fachkenntnisse angefacht, könnte man in Versuchung geraten, die ganze Aufregung um das Thema auf den Sensationshunger von Presse und Fernsehen zu schieben. Aber es gibt durchaus auch Ärzte und qualifizierte Ernährungsberater, die vor glutenhaltigen Lebensmitteln warnen. Auch hat die Lebensmittelindustrie das Thema sehr schnell als Chance erkannt, mit glutenfreien Produkten Millionengeschäfte zu machen, so wie dereinst mit Light-Produkten. Und deren Produzenten sind nun natürlich ihrerseits interessiert, die Gluten-Hysterie weiter anzuheizen. In den USA kommen Glutenfrei-Gurus regelmäßig als Stargäste in Fernsehshows zu Wort und verbreiten ihre Kunde, dass Gluten immer und überall und ausnahmslos jedem schadet, und dass der Wechsel zu einer glutenfreien Diät ein Meilenstein sei auf dem Weg zu einem gesünderen Lebensstil. Viele Sportler, Schauspieler und andere Mediensternchen lassen die Öffentlichkeit wissen, dass sie jetzt glutenfrei leben und dass es ihnen damit ja so viel besser geht. Und so entsteht in den Massenmedien das Bild, dass glutenfreie Kost das Geheimnis einer besseren Gesundheit ist.

Erfolgsgeschichten von Weltklassesportlern

Eine Story die um die Welt ging war das Beispiel des serbischen Tennisstars Novak Djokovic. Jahrelang hatte er an chronischer Erschöpfung, Asthmaanfällen und plötzlichen körperlichen Einbrüchen gelitten. Ende 2010 hat er sich dann einer Reihe medizinischer Untersuchungen unterzogen, bei denen schließlich eine Glutenintoleranz festgestellt wurde. Die Umstellung auf eine glutenfreie Ernährung hatte nach Aussagen des Tennisspielers eine Reise positiver Auswirkungen auf sein Leben – darunter eine spektakuläre Verbesserung seiner sportlichen Leistungen. Tatsächlich ging es mit seiner Karriere steil bergauf. 2011 gelang es ihm, die jahrelange Dominanz von Roger Federer und Rafael Nadal zu brechen und selbst zur Nummer 1 der Weltrangliste aufzusteigen. Und Djokovics Geschichte ist nicht die einzige sportliche Erfolgsstory, die mit glutenfreier Kost in Zusammenhang gebracht wird. Derlei Beispiele werden gern zitiert um zu belegen, dass der Verzicht auf glutenhaltige Nahrungsmittel der Schlüssel zu besserer Gesundheit und sportlicher Höchstleistung sei.

Glutenfrei-Gurus

Doch vor Gluten warnen nicht nur Personen, die aus eigener Erfahrung eine glutenfreie Diät für die bessere Alternative halten, sondern auch Spezialisten mit medizinischer oder ernährungswissenschaftlicher Ausbildung und langjähriger beruflicher Erfahrung in Gesundheitsvorsorge und Krankheitsbehandlung. Als Beispiel soll hier der Kardiologe Dr. William Davis genannt sein, der in seinem Bestseller „Weizenwampe“ die negativen Einflüsse von Weizen und den in ihm enthaltenen Eiweißen auf unsere Gesundheit beschreibt und für eine glutenfreie Ernährung wirbt. Als eine Art Fortsetzung des Buches könnte man David Perlmutters „Dumm wie Brot“ bezeichnen (Untertitel: „Wie Weizen schleichend Ihr Gehirn zerstört“) – das ich aber zugegeben nicht zu Ende gelesen habe, da ich den Autor nach mehreren sachlichen Fehlbehauptungen (wie z.B. dass „Glucose aus Körperfett entstehe“) nicht mehr so recht ernst nehmen konnte.

Das Thema wird auch gerne von Bloggern aufgegriffen, die oft mit gekonnter Rhetorik auf eher schwachen Ausgangspunkten eine komplexe Argumentation für ein glutenfreies Leben aufbauen. Als Beispiel sei hier George Dvorsky genannt, der im Internet mit Abhandlungen wie der folgenden Furore machte:

http://io9.gizmodo.com/5968164/why-you-should-probably-stop-eating-wheat